bauMAGAZIN

Ausgabe April 2017

 

Topwachstumsregion Europa

Jetzt dürften auch die allerletzten Skeptiker überzeugt sein, liegen doch nun die Zahlen schwarz auf weiß vor: Der europäische Baumaschinenmarkt gehört im weltweiten Vergleich zu den Topwachstumsregionen und hat 2016 ein Plus von 10 % verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr. Das hat das »Committee for European Construction Equipment« (CECE), das als europäischer Dachverband die Interessen von mehr als 1 000 Baumaschinenherstellern vertritt, in seinem Jahresbericht 2017 bekannt gegeben. Und auch für 2017 erwartet das CECE 2017 ein stabiles Umsatzwachstum der Baumaschinenindustrie mit leichtem Aufwärtstrend.

Laut CECE hat sich der europäische Markt besser entwickelt als die Märkte in den meisten anderen Regionen der Welt und belegt hinsichtlich der Wachstumsraten den dritten Rang hinter China und Indien. Allerdings verteilen sich die 10 % Wachstum sehr unterschiedlich, gibt es doch weiterhin ein großes Gefälle innerhalb Europas. So wurden die volumenmäßig stärksten Umsatzzuwächse in Frankreich, Deutschland und Italien erzielt. Dabei sind die Märkte Nord- und Westeuropas, vor allem auch der deutsche Markt, nahe an ihren historischen Rekordhochs, so das CECE. Nicht erfüllt haben sich hingegen die Erwartungen hinsichtlich einer Erholung in den süd- und südosteuropäischen Ländern, während in Russland nach Jahren des Rückgangs wieder eine anziehende Nachfrage verzeichnet wurde.
Die Nachfrage nach Hochbaumaschinen war dabei höher als die nach Maschinen für den Erd-, Tief- und Straßenbau. So steigerte die Branche den Umsatz bei Erdbaumaschinen um 12 %, während das Plus bei den Hochbaumaschinen sogar 21 % betrug. Damit ist das Marktniveau so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr, konstatiert das CECE. Einen Wermutstropfen allerdings gibt es trotz dieser guten Zahlen: Das Rekordniveau der Vorkrisenjahre ist noch lange nicht wieder erreicht.
Für dieses Jahr sind laut CECE alle Teilbranchen des Baumaschinensektors optimistisch gestimmt. So hat eine Umfrage zum Geschäftsklima ergeben, dass etwa zwei Drittel der befragten Unternehmer aus den Bereichen Erdbau-, Straßenbau und Betonmaschinen von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage ausgehen. Weil die Experten des CECE zudem damit rechnen, dass der Weltmarkt nach drei rückläufigen Jahren wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt und davon auch die euro­päischen Baumaschinenhersteller profitieren werden, geht man für 2017 von einem stabilen Umsatzwachstum mit leichtem Aufwärtstrend aus. Für die deutschen Hersteller bedeutet dies, auch angesichts der weiterhin außerordentlich gut laufenden Baukonjunktur hierzulande, dass sie ihre starke Stellung behaupten werden.
Ein erster Indikator dafür dürfte das Messe-Doppel »Recycling Aktiv – Tiefbau Live« Ende April am neuen Standort in Karlsruhe sein, über das wir im bau­MAGAZIN ausführlich berichten werden. Für Diskussionsstoff wird in Karlsruhe sicherlich der aktuelle Referentenentwurf für die Mantelverordnung sorgen, mit der künftig der bundeseinheitliche Umgang mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen geregelt und damit das zerstückelte Regelwerk auf Länderebene abgelöst werden soll.
Allerdings gibt es von den Fachverbänden noch einiges an Kritik am Referentenentwurf, die Michael Stoll als Vor­sitzender der Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe so zusammenfasst: »Wir erwarten weitere Anstrengungen des Ministeriums, um praktikable und widerspruchsfreie Regelungen sowie eine klare Zuweisung der abfallrechtlichen Verantwortlichkeiten sicherzustellen. Wir brauchen ein Regelwerk, das die Akzeptanz von Sekundärrohstoffen stärkt, das Bauen nicht verteuert und die Problematik der bereits bestehenden Kapazitätsengpässe bei Deponien nicht weiter verschärft.« Dem ist nichts hinzuzufügen.
Sollten Sie zu unseren Themen in dieser Ausgabe – die Sie natürlich auch in unserem Online-Portal unter www.baumagazin.eu finden – Anregungen haben oder Wünsche, schreiben Sie uns per E-Mail unter ­redaktion@sbm-verlag.de. Wir freuen uns über jede Zuschrift. In diesem Sinne eine unterhaltsame Lektüre wünscht Ihnen Ihr

Michael Wulf
Chefredakteur